Die blaue Blume

 

Oh, welch schöne Blume, aber nirgends auf dieser Welt ist sie zu finden.
Und doch ist sie da, ganz tief in unseren Herzen verankert, verwurzelt in einer großen Sehnsucht nach dem magischen Blau des verlorenen Paradieses, in dem die Kindheit verborgen liegt.

Doch, wann ging diese Kindheit verloren?
Als die Sehnsucht nach mehr zu wachsen begann und man merkte, dass das Leben nicht ohne Verbote, Zweifel und Misstrauen verläuft.
Alles veränderte sich im Leben.
Die Schönheit, die man als Kind erfährt, wie etwa das Spielen im Wald, barfuß laufen im Gras, gutschmeckendes Essen nach dem Spielen.


All das Schöne wird später nur noch mit einem Nutzen verbunden. Holz für Schränke, Straßen durch Wiesen bauen, Hunger stillen.
Nur noch in fernen, unberührten Ländern, die sich diese Schönheit erhalten, kann man sich das Gefühl der Kindheit wieder zurück holen.
Doch, wenn man näher hinsieht, fehlen diesen Ländern einfach die Mittel, um diese Schönheit zu zerstören.
Wir haben verlernt die Einfachheit zu leben, die diese Menschen dort praktizieren müssen. Uns fehlt der Mut, ohne die Annehmlichkeiten unserer Kultur zu leben. Zu sehr haben wir uns schon an die sogenannte Zivilisation gewöhnt, um diese aufzugeben.
Wir können ja, wann immer wir wollen, uns die Kindheitsgefühle wieder einmal zurückholen, wenn wir Urlaub in diesen unberührten Ländern machen.
Da scheinen die schöne Blume und das blaue Paradies kurz in unserem Leben aufzublühen. Dann erfahren wir wieder das Gefühl von Aufregung, Sehnsucht und Hunger, Erfüllung und Vergnügen und dass wir noch träumen können.
Aber vielen von uns sind die Träume ausgegangen, da sich schon zu vieles vom einfachen Leben ins anspruchsvolle Vergnügen gewandelt hat. Denn die Fee, die uns alle Wünsche erfüllt, hat ihr Werk wohl getan.
Statt Spaziergänge im Wald zu unternehmen, geht man in teure Restaurants und Discos. Dort holt man sich den Kick, statt die Stimmen und die Energie der Natur aufzunehmen.
Die Uhren laufen jetzt anders, die Zeit ist kostbar geworden. Ein Termin jagt den anderen.
Doch mit offenem Herzen durch den Wald gehen, hinein hören, ja dann kann man sie wieder sehen, die Freunde aus der Kindheit. Oder gibt es sie gar nicht, die Geister des Waldes, die Feen, Elfen, Kobolde, die Göttin?
Die Vernunft des Erwachsenseins sorgt dafür, dass wir sie vergessen!!!
Doch die Sehnsucht nach dem blauen Paradies bleibt bestehen und die schöne Blume, die Kraft der Göttin, ist der Schlüssel dazu. Wer aus ganzem Herzen wieder die Gefühle der Kindheit erleben möchte, dem öffnet sie sich ein Stück und zeigt ihm den Weg zum blauen Paradies.
In jeder Blume könnte man sie sehen, doch sie ist aus einem anderen Stoff gemacht. Sie öffnet den Weg in die Erinnerung und dringt tief in unser Wesen ein. Wieder wird man zum Kind, sieht den Formationen der Wolken nach, nimmt Gerüche intensiver wahr und lebt im Hier und Jetzt.
Keine Uhren haben jetzt die Macht über unsere Zeit.
Doch die Angst hält uns noch fest im Griff, aber ist sie dann überwunden, kann man sie wieder sehen, die Holzweiblein, die Felsenkobolde und die Bäume mit ihren Ausstrahlungen.
Diese schöne Blume ist sehr zart, aber nicht greifbar. Mal ist sie da mit ihrer heilenden Kraft. Aber dann, wenn man am gierigsten nach ihr greift, ist sie wieder verschwunden.
Wo sie wächst weis niemand, aber wer sich seine Träume der Kindheit bewahrt, ist dieser schönen Blume und dem blauen Paradies sehr, sehr nahe.